Sicherheit suchen ist Resilienz in Aktion!

Familien, die vor Krieg fliehen, werden oft als traumatisiert beschrieben. Lasst uns zusammen dafür sorgen, dass ihre Resilienz nicht unbemerkt bleibt.

Belastung anzuerkennen, ist wichtig. Mindestens ebenso wichtig ist die Wertschätzung von Resilienz.

Vor Krieg zu fliehen erfordert Kraft und Durchhaltevermögen. Wenn Menschen als “traumatisiert” kategorisiert werden, werden die Stärken, die ihnen helfen, mit extremen Widrigkeiten fertig zu werden und sich in Sicherheit zu bringen, leicht unterschätzt.

Es geht nicht nur um Krieg und Verlust.

Gewalt und große Verluste in der Heimat und auf der Flucht sind selten die einzige Ursache für Not. Die Belastung durch“Postmigrationsstressoren” wie unsichere Wohnverhältnisse, Familientrennung, veränderter sozialer Status und Familienrollen, komplizierte Gesetze und finanzielle Probleme wird häufig unterschätzt. Der Umgang mit solchen Stressoren kostet viel Energie. Auf Dauer kann das auf Kosten der Ressourcen gehen, die Menschen brauchen, um Sicherheit und Stabilität in einer neuen Kultur und Umgebung zu finden.

Soziale Verbindungen haben eine Schlüsselrolle für mentale Gesundheit

DIE BETONUNG VON TRAUMA HAT OFT EINE UNGEWOLLTE NEBENWIRKUNG: Sie weckt zwar Mitgefühl, schreibt aber auch Defizite zu. Das überschattet oft die vielen großen und kleinen Handlungen, mit denen Menschen gut für sich selbst und ihre Angehörigen zu sorgen versuchen. Die Betonung von Trauma kann zu einerm Machtungleichgewicht führen, das Gefühle von Kontrolle, Selbstwirksamkeit und Selbstwert unterbewertet.

Die richtige Hilfe zur richtigen Zeit

Nachdem sie in relativer Sicherheit angekommen sind, können sowohl Erwachsene als auch Kinder weiterhin unter Stress-Symptome leiden, z. B. Schlaf- und Appetitstörungen, Reizbarkeit, belastende Gefühle oder Erschöpfung. Das sind angemessene Reaktionen auf die Strapazen von der Flucht und dem Ankommen unter ungewissen Bedingungen. Unter ausreichend guten Bedingungen, können wir in der Regel unsere natürlichen Fähigkeiten zur Stabilisierung und Erholung mobilisieren. Wenn es nicht genügend Gelegenheiten dazu gibt, können sich Stresssymptome zu psychischen Problemen entwickeln.

Es erscheint logisch, dass psychologische Unterstützung eine Priorität hat. Dies ist jedoch nur ein Teil der Antwort. Bevor die Stressbelastung durch Krieg, Flucht und Post-Migrationsstressoren die Gesundheit der Menschen stark beansprucht, gibt es viele Dinge, die diese lindern können. Ob und wie Post-Migrationsstressoren reduziert werden, ist von entscheidender Bedeutung. Das betrifft sowohl das Ankommen in einem neuen Alltag als auch die Wirksamkeit von psychologischer Unterstützung.

Resilienz hängt von unserer Umgebung ab

Wir alle verfügen über eine natürliche Resilienz – die Fähigkeit, schwere Schicksalsschläge zu überstehen, ohne psychische Probleme zu entwickeln. Damit sich diese Fähigkeit entfalten kann, müssen wir in der Lage sein, sie in die Tat umzusetzen. Und hier spielt unsere Umwelt eine wichtige Rolle.

Wie, wann und wo?

Hier sind einige Aspekte von Umgebungen, die die Resilienz fördern. Denken Sie an die Orte, an denen Sie leben, arbeiten, lernen und spielen. Wie gut sind diese Aspekte abgedeckt?

  • Zugang zu Ressourcen für ein gesundes und produktives Leben, z. B. ausreichend sicherer Wohnraum und sinnvolle Beschäftigung.
  • Die Erfahrung, dass wir unser Leben selbst in der Hand haben, z. B. die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, die für uns wichtig sind.
  • Möglichkeiten, in unseren Fähigkeiten und Kompetenzen erkanntzu werden und sie für unsere Gemeinschaften einzusetzen.
  • Soziale Beziehungen, die Gefühle von Zugehörigkeit, Selbstwert und unsere Wertschätzung für andere verstärken.
Resilienz
Wenn wir ausreichend viele Gelegenheiten haben, unsere Resilienz aktiv zum Einsatz zu bringen, können wir Stressbelastung leichter ausgleichen.

WIR SITZEN IM SELBEN BOOT:

Die individuellen Stärken und Gaben, die jeder von uns hat, sind Teil eines großen Ganzen. Ihre Wirkung hängt davon ab, wie bewusst wir unsere gegenseitigen Stärken und Beiträge wahrnehmen. Und davon, wie gut wir zusammenarbeiten. Wie sieht das in der Praxis aus? Das gegenseitige Wertschätzen von Stärken und Beitragen kommt zum Beispiel darin zum Tragen, dass wir uns helfen,die richtige Hilfe zur richtigen Zeit zu finden. Das schafft ein Umfeld, das Autonomie, Widerstandsfähigkeit und Wohlbefinden fördert.

ABSICHTEN BESTIMMEN, WIE WIR EINANDER WAHRNEHMEN

Die Priorisierung von Defiziten ist eine natürliche menschliche Reaktion auf jede Art von Stresssituationen. Wenn es darum geht, sich gegenseitig durch schwierige Zeiten zu helfen, können wir uns bewusst vornehmen, für Stärken aufmerksam zu sein und sie gezielt bei Lösungen einzubeziehen.

Absicht in Praxis umsetzen

In unseren Interaktionen als Einzelpersonen können wir gezielt Aufmerksamkeit für Resilienz üben, indem wir daran denken, Fragen zu stellen, anstatt uns auf Annahmen zu verlassen. Zum Beispiel:

  • Indem Du Deine Kinder in Sicherheit gebracht hast, hast Du schon so viel erreicht. Jetzt, wo Ihr hier seid, was ist Euch am wichtigsten , wenn es um das Wohlergehen Eurer Familie geht?
  • Bei all dem, was Du zu bewältigen hast, braucht es viel Kraft, um sich zurechtzufinden und sich einzuleben. Was hilft Dir und Deiner Familie, diese Zeit zu überstehen? Auch kleine, alltägliche Dinge wie gemeinsames Spielen zählen!
  • Welche Stärken hast Du, die dabei helfen werden, diese schwierige Zeit zu bewältigen?
  • Welche Art von externer Unterstützung fändest Du hilfreich?
Kooperation in der sozialen Arbeit
Eine oft unterschätzte Zutat für gelingende Kooperation: Wertschätzung für das, was andere besser können als wir selbst!

GUTE ZUSAMMENARBEIT

Als Teil eines Helfersystems, das Familien unterstützen soll, können wir zu einem stärkenden Umfeld beitragen, indem wir auf die Qualität unserer Zusammenarbeit achten.

Wir Menschen neigen unter Stress dazu, uns auf Defizite zu konzentrieren. Zeit und Energie in nachhaltige Lösungen wie gute Zusammenarbeit zu investieren, widerspricht oft unserem instinktiven Bedürfnis nach unmittelbarer Sicherheit. Es zahlt sich aber aus, wenn wir effizient vorgehen. Auch hier gilt: Fragen stellen ist das A und O! Hier sind einige Beispiele:

  • Wie zielen die Leistungen der einzelnen Partner darauf ab, Post-Migrationsstressoren zu verringern?
  • Was können Eure Organisationen jeweils gut und wie kann diese besondere Stärke die Ziele des anderen unterstützen?
  • Welche spezifischen Probleme oder Bedürfnisse können durch Eure Leistung nicht allein abgedeckt werden?
  • Welche Art der Zusammenarbeit kann dazu beitragen, diese Lücke zu schließen, und an welchen Veränderungen oder Verbesserungen werdet Ihr feststellen, dass Eure Zusammenarbeit sich auszahlt?


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